Bolivien: Höhepunkte einer Andenreise in 18 Tagen. Zwischen Höhenluft und Salzweiß
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Über Madrid geht es nach Cochabamba, und schon der Beginn ist klug gewählt: Der Talkessel liegt deutlich tiefer als La Paz, die Luft ist mild, der Kreislauf darf sich in Ruhe an die Höhe gewöhnen. Aus der Dunkelheit tauchen beim Landeanflug die Lichterketten der Hänge auf, an denen die Stadt emporwächst. Der erste Abend gehört dem Ankommen, dem Wechsel der Jahreszeit und dem ungewohnten Gefühl, dass jeder Schritt eine Spur mehr Luft verlangt als daheim.
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Die Höhe verlangt Geduld: langsame Schritte, viel Wasser, ein Aufguss aus Kokablättern. Cochabamba liegt in einem fruchtbaren Tal, dessen mildes Klima der Stadt ihren Beinamen eintrug; ringsum wachsen Mais, Pfirsiche und Weizen, und die Küche des Tals gilt als die üppigste des Landes. Unter den Arkaden der Plaza 14 de Septiembre sitzen Schuhputzer, Studenten und Rentner nebeneinander, Palmen werfen Schatten auf das Pflaster, aus offenen Türen zieht der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee. Am Nachmittag füllen sich die Tische rund um den Platz, der Verkehrslärm bleibt merkwürdig gedämpft. Ein Tag ohne Pflichtprogramm, der alles Folgende erst möglich macht.
Ein Markt wie ein eigener StadtteilDie Cancha verschlingt ganze Straßenzüge: Berge von Kartoffeln in Sorten, für die es im Deutschen keine Namen gibt, gefriergetrocknete Chuño, Bündel von Heilkräutern, Filzhüte, Säcke voll Quinoa. Frauen in weiten Polleras verhandeln zwischen Ständen aus Wellblech und Plane, Lastenträger schieben Karren durch die Menge, aus Lautsprechern scheppert Cumbia. Ein Gang weiter stapeln sich Werkzeug, Schulhefte und Blechgeschirr, dahinter beginnt das Reich der Stoffe und Bänder. Zwischen den Gassen verliert man rasch die Orientierung und gewinnt dafür ein Bild vom Alltag des Tals.
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Auf dem Hügel San Pedro steht der Cristo de la Concordia über dem Talkessel und überragt sein berühmtes Vorbild in Rio de Janeiro um wenige Zentimeter, worauf man in Cochabamba großen Wert legt. Eine Gondel schwebt die steile Flanke hinauf, oben führt eine enge Wendeltreppe im Inneren der Figur bis in die Schultern, wo kleine Fenster den Blick über Ziegeldächer, Eukalyptushaine und trockene Bergflanken freigeben. Am Sockel spielen Kinder zwischen Souvenirständen, Paare lassen sich fotografieren, und über allem weht ein kühler Wind. Selten wirkt eine Millionenstadt so überschaubar wie von diesem Balkon aus.
Landeanflug auf das Dach des KontinentsAm Nachmittag folgt der Flug nach La Paz. Die Maschine setzt oben auf der Ebene auf, in El Alto, einer eigenen Stadt aus Ziegelbauten und Werkstätten, in der die Aymara den Ton angeben. Erst die Fahrt hinab zeigt, wie ungewöhnlich diese Stadt gebaut ist: Sie füllt eine Schlucht bis an den Rand, Häuser klettern an den Steilhängen empor, Straßen winden sich in engen Kehren nach unten, und am Horizont schiebt sich der vergletscherte Illimani ins Bild.
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Tiwanaku (UNESCO-Weltkulturerbe) war das Zentrum einer Hochkultur, die den Altiplano beherrschte, lange bevor die Inka ihr Reich errichteten. Von der Stufenpyramide Akapana blickt man auf den weiten Tempelhof Kalasasaya, in dessen Mauer das aus einem einzigen Block gehauene Sonnentor steht; im Hof erhebt sich der Ponce-Monolith mit Becher und Zepter in den Händen. Im halb versenkten Tempel ragen Dutzende steinerner Köpfe aus den Wänden, jeder mit anderen Zügen, als wären hier fremde Völker versammelt. Die Fugen der Quader von Puma Punku sind so präzise gearbeitet, dass kaum eine Klinge dazwischen passt. Ringsum lag einst ein Netz aus Hochbeeten, mit dem die Bauern dem kalten Boden Erträge abrangen. Warum dieser Ort schließlich aufgegeben wurde, ist bis heute ungeklärt.
Über die Hochebene an den TiticacaseeDie Weiterfahrt führt über den Altiplano: Lehmziegeldörfer, Schafherden, Frauen mit bunten Tragetüchern am Straßenrand, dahinter die Schneekämme der Cordillera Real. Auf den Pässen markieren kleine Steinhaufen die Stellen, an denen Reisende seit jeher um eine gute Fahrt bitten. Dann öffnet sich das tiefe Blau des Titicacasees, der wie ein Binnenmeer zwischen den Bergen liegt. Copacabana schmiegt sich in eine geschützte Bucht, überragt vom Hügel Calvario. Auf diesem führen Stationen des Kreuzweges bis zum Gipfel. Am Ufer schaukeln bunt bemalte Boote, Händlerinnen bieten gegrillte Forelle an, die Abendsonne färbt das Wasser kupfern.
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Das Boot legt am Morgen ab. Das Wasser ist tiefblau, das Licht klar und schneidend, am Ufer wiegen sich Halme des Totora-Schilfs, aus dem noch immer Boote geflochten werden. Für die Aymara ist dieser See der Ursprungsort der Welt: Aus seinen Fluten sollen Manco Cápac und Mama Ocllo gestiegen sein, um das Reich der Inka zu gründen. Auf der Überfahrt bleiben die Schneegipfel des Festlands lange in Sicht, während die Insel als schmaler, terrassierter Rücken näher rückt.
Der Palast am SüduferAn der Südspitze der Isla del Sol liegt Pilkokaina, ein Bauwerk der Inka aus sorgfältig gesetzten Steinen. Trapezförmige Nischen und schwere Türstürze, dahinter dunkle Kammern, davor der freie Blick über das Wasser bis zu den Sechstausendern am Horizont. Vermutlich diente die Anlage als Rasthaus für Pilger, die zum heiligen Felsen im Norden der Insel unterwegs waren. Die Mauern verjüngen sich nach oben, ein Kniff, mit dem die Baumeister ihren Häusern Standfestigkeit gaben.
Treppe, Quelle und TerrassenVom Anleger in Yumani steigt die steile Inka-Treppe aufwärts, flankiert von einer Quellfassung, deren drei Wasserläufe seit Jahrhunderten fließen; ihnen wird nachgesagt, Kraft und langes Leben zu schenken. Straßen und Autos gibt es auf der Insel nicht. Esel tragen die Lasten über schmale Pfade zwischen Terrassenfeldern, die sich wie Stufen zum Ufer senken, und über allem liegt eine Stille, die nur von Wind und Eselsrufen unterbrochen wird. Zur Mittagszeit breiten die Familien ihr Apthapi auf Tüchern aus, ein geteiltes Mahl aus Knollen, Käse und getrocknetem Fleisch.
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Die Wallfahrtskirche Virgen de Copacabana leuchtet weiß über den Dächern des Ortes; Kuppeln und Azulejos verraten maurischen Einfluss. Im Inneren steht die dunkle Marienfigur, die der indigene Bildhauer Francisco Tito Yupanqui aus Holz schnitzte und die seither als Schutzpatronin des Landes verehrt wird. Sie thront in einem vergoldeten Kabinett über dem Hochaltar, und nach altem Brauch wird sie nie vom Platz gerückt, damit der See ruhig bleibt. In der Kerzenkapelle brennen Hunderte Lichter an rußgeschwärzten Wänden, davor knien Pilger aus dem ganzen Andenraum. Vor dem Portal werden Fahrzeuge mit Blumen, Konfetti und Weihwasser gesegnet.
Am Ufer zurück in die HauptstadtDie Rückfahrt folgt der Uferstraße. An der Meerenge von Tiquina setzen flache Holzfähren die Fahrzeuge über, während die Reisenden im Boot nebenherfahren und dabei den Bootsbauern am Ufer zusehen können. Danach zieht sich die Straße wieder über die Hochebene, links begleitet von den weißen Gipfeln der Cordillera Real, rechts vom silbrigen Band des Sees, bis die Häuser von El Alto den Horizont schließen.
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Am südlichen Stadtrand hat Regen eine Landschaft aus Ton und Sandstein geformt: Das Valle de la Luna besteht aus Hunderten schlanker Nadeln und tiefen Rinnen, durch die schmale Pfade und kleine Aussichtskanzeln führen. Ein Rundweg führt über schmale Grate, an deren Kanten der Boden bröckelt, während sich unten heller Sand zu Fächern sammelt. Je nach Sonnenstand wechseln die Farben von Ocker zu Grau, Kakteen stehen wie Wachposten am Wegrand, und hinter der Kante des Tals ragen unvermittelt die Hochhäuser der Stadt auf.
Amulette und OpfergabenIn der Calle de las Brujas hängen getrocknete Lamaföten in den Türrahmen, daneben Kräuterbündel, Zuckerplatten mit geprägten Symbolen und kleine Figuren für jeden Wunsch. Solche Gaben werden der Pachamama dargebracht, bevor ein Haus gebaut oder ein Vorhaben begonnen wird. Yatiris, die Heilkundigen des Altiplano, lesen aus Kokablättern die Zukunft, und in den Gassen ringsum mischen sich Wollmützen, Silberschmuck und Räucherwerk zu einem eigenen Duft.
Ein Barock mit andinen ZügenDie Fassade der Kirche San Francisco gilt als Hauptwerk des Mestizenbarock: Zwischen Ranken und Voluten entdeckt man Papageien, Schlangen, Masken und Fabelwesen, wie sie kein europäischer Steinmetz entworfen hätte. Indigene Handwerker verewigten hier im Auftrag des Ordens ihre eigene Bildwelt. Vor dem Portal öffnet sich ein Platz, auf dem Straßenmusiker spielen, Demonstrationszüge Halt machen und Verkäuferinnen Süßgebäck anbieten.
Der Platz der MachtUm den Plaza Murillo gruppieren sich Regierungspalast, Parlament und Kathedrale, dazwischen Tauben und Schuhputzer mit Wollmasken. Am Kongressgebäude läuft die Uhr rückwärts, seit sich das Land darauf besann, dass die Südhalbkugel eigenen Regeln folgt. Der Palast trägt den Beinamen „der Verbrannte“, eine Erinnerung an die unruhigen Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit, als Aufstände bis in die Amtsstuben reichten.
Über den Dächern der SchluchtZum Abschluss geht es in die Gondel. Das Netz der Seilbahnen verbindet die Talstadt mit El Alto und ersetzt für Hunderttausende die tägliche Busfahrt durch den Stau; jede Linie trägt eine eigene Farbe, und an den Stationen steigen Schüler, Marktfrauen und Anzugträger nebeneinander ein. Von oben löst sich das Häusermeer in ein Muster aus Ziegelrot auf, dazwischen Schluchten, Friedhöfe und Fußballplätze, und bei klarer Sicht beherrscht der Illimani den Horizont.
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Die Etappe nach Sucre ist selbst ein Programmpunkt. Zunächst die weite, karge Hochebene mit Lamaherden und flirrenden Salzpfannen, vorbei an Bergbauorten, deren Abraumhalden von einer langen Tradition erzählen. Dann der Abstieg in enge Täler, wo Kakteen an den Hängen stehen und Flüsse rote Schluchten gegraben haben. Dörfer aus Lehm ziehen vorbei, Frauen dreschen Weizen auf dem Asphalt, Fotostopps unterbrechen die Fahrt. Mit jedem Höhenmeter abwärts wird die Luft weicher, und am späten Nachmittag empfängt eine Stadt in strahlendem Weiß.
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Tarabuco liegt in den Bergen östlich von Sucre und ist Treffpunkt der Yampara. An Markttagen füllt sich der Ort mit Menschen aus den umliegenden Weilern: Männer tragen Monteras, Lederhelme nach dem Vorbild spanischer Konquistadoren, Frauen zeigen ihre Axsus mit schmalen Farbbändern. Auf ausgebreiteten Tüchern liegen Webereien, deren Muster ganze Erzählungen enthalten, Reiter, Vögel und Fabelwesen in Rot und Schwarz. Daneben wechseln Kartoffeln, Salz und Getreide noch immer im Tausch den Besitzer, Charangos werden gestimmt, kleine Lauten mit fünf Doppelsaiten. Einmal im Jahr verwandelt das Fest Pujllay den Ort in ein Meer aus Trachten und Trommeln, zur Erinnerung an eine gewonnene Schlacht. Handel und Begegnung sind hier dasselbe.
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Auf einem Hügel über der Stadt liegt das Franziskanerkloster La Recoleta, von dem aus Mönche einst in das Tiefland aufbrachen. Im Kreuzgang wächst eine uralte Zeder, im Chorgestühl der Kirche sind Märtyrerszenen ins Holz geschnitten, so drastisch, dass man unwillkürlich nähertritt. Der angeschlossene Museumsbereich bewahrt Gemälde und liturgisches Gerät aus der Zeit der Missionen. Von den Bögen des Aussichtsplatzes davor überblickt man die weißen Häuser, roten Ziegel und Glockentürme, aus denen Sucre gebaut ist.
Zwischen Saftständen und KräuterbergenIm Mercado Central stapeln sich Papaya, Maracuja und Bananen zu Türmen, dahinter mixen Verkäuferinnen Säfte in schweren Gläsern und rufen ihre Kundschaft beim Vornamen. In der Halle nebenan riecht es nach Käse und frischem Brot, einen Gang weiter liegen Kräuter für jedes Leiden, gebündelt und beschriftet. Der Markt ist Speisekammer und Nachrichtenbörse der Stadt zugleich.
Eine Jungfrau in Gold und PerlenDie Kathedrale verbindet Renaissance und Barock, ihr Turm überragt die Häuserzeilen der Altstadt. In der Seitenkapelle wird die Virgen de Guadalupe verehrt, deren Gewand über Generationen mit Gold, Smaragden und Perlen behängt wurde, bis vom gemalten Bild kaum mehr als die Gesichter zu sehen sind. Gestiftet von Familien der Silberzeit, erzählt der Schmuck von einem Reichtum, der aus den Minen des Südens kam.
Fährten der GigantenAm Stadtrand legte ein Zementwerk eine fast senkrechte Wand frei, auf der sich Tausende Dinosaurierspuren kreuzen: Fährten von Sauropoden, Raubsauriern und gepanzerten Pflanzenfressern, die einst am Ufer eines Sees entlangzogen. Tektonische Kräfte richteten die Uferebene auf, sodass die Abdrücke heute wie an einer Schultafel stehen, manche Spurenreihen laufen über hundert Meter weit. Im Parque Cretácico zeigen lebensgroße Rekonstruktionen, welche Tiere sie hinterließen, und von der Aussichtsterrasse lässt sich die Wand in ganzer Breite überblicken.
Abendlicht auf den ZiegelnDer Parque Bolívar wirkt wie ein Stück Europa in den Anden, mit Alleen, Brunnen und einer Miniatur des Eiffelturms, die an die Frankreichbegeisterung der Silberbarone erinnert. Zum Sonnenuntergang führt der Weg auf das Dach der Kirche San Felipe de Neri, wo weiß gekalkte Terrassen zwischen Kuppeln und Glockenstühlen liegen. Das letzte Licht taucht die Stadt in warmes Orange, und von unten steigt das Hupen der Sammeltaxis herauf.
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In der Casa de la Moneda wurden über Jahrhunderte die Silbermünzen geprägt, mit denen Spanien seine Kriege bezahlte. Erhalten sind die hölzernen Walzwerke, die Maultiere im Untergeschoss antrieben, dazu Pressen, Prüfwaagen und Barren mit den eingeschlagenen Zeichen der Krone. Über dem Innenhof grinst eine rätselhafte Maske, deren Herkunft bis heute Streit auslöst. In den Sälen hängen Werke der andinen Kolonialmalerei, darunter jene Jungfrau, deren Rock die Form des Cerro Rico annimmt und damit Berg und Marienbild zu einer Gestalt verschmelzen lässt. Die Mauern sind so dick wie in einer Festung, denn hier lagerte, was ein Weltreich am Leben hielt.
Hinter der KlausurDas Kloster Santa Teresa nahm die zweitgeborenen Töchter wohlhabender Familien auf, die ihre Angehörigen danach nur noch durch ein Gitter sprachen. Der Rundgang führt durch Zellen, Kreuzgänge und Werkstätten, zeigt Bußwerkzeuge neben kostbaren Altarbildern, dazu Drehladen, über die Süßgebäck nach außen und Nachrichten nach innen gelangten. Ein Leben zwischen Verzicht und Prunk, das erst in jüngerer Zeit seine Türen einen Spalt weit öffnete.
Fassade wie ein BildteppichStatt eines Turms trägt die Iglesia de la Compañía de Jesús eine steinerne Glockenwand, deren Säulen, Engel und Blattwerk sich wie ein Teppich über das Portal legen. Von der Plattform darüber reicht der Blick über die Dächer der Villa Imperial bis zum kahlen Kegel des Cerro Rico, der über allem steht. Die Kathedrale mit ihrer klassizistischen Front rundet den Gang durch die Stadt ab.
Foto: Matyas Rehak
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Der Cerro Rico machte Potosí reich und wurde zum Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel der Kolonialzeit, als Zwangsarbeiter aus dem ganzen Vizekönigreich in seine Schächte getrieben wurden. Noch heute arbeiten Kooperativen im Berg, mit Hammer, Meißel und Karren wie vor hundert Jahren. Der Besuch führt in enge, staubige Gänge, in denen es warm und sehr still wird; an einer Abzweigung sitzt der Tío, eine gehörnte Figur, der die Mineros Koka, Zigaretten und Alkohol opfern, damit der Berg sie wieder gehen lässt. Ein Eindruck, der lange nachwirkt und den Blick auf jedes Silberstück verändert.
Rost in der SteppeVor den Toren von Uyuni rosten die Dampfloks eines Eisenbahnfriedhofs im Wind. Britische Ingenieure hatten die Strecke gebaut, um Erze zur Küste zu bringen; als die Minen erschöpft waren, blieben die Maschinen einfach stehen. Heute liegen Kessel, Räder und Führerhäuser aufgereiht im Sand, das Metall salzzerfressen, von Wind und Sonne zu einem tiefen Braunrot gefärbt, dahinter nichts als Weite. Durch die offenen Kessel pfeift der Wind, und aus jeder Perspektive ergibt sich ein anderes Motiv.
Das Dorf der SalzkegelIn Colchani am Rand der Kruste wird Salz von Hand zu Kegeln aufgeschichtet, damit es trocknet, bevor es in kleinen Werkstätten gemahlen, mit Jod versetzt und verpackt wird. An den Ständen stehen Figuren aus Salzblöcken, Lamas, Schalen, ganze Modelle von Kirchen. Den Auftakt jeder Uyuni Reise bildet dieser Ort, und auch die Unterkunft der Nacht besteht aus eben diesem Material: Wände, Möbel, sogar der Boden.
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Der Salar de Uyuni ist die größte Salzfläche der Erde, Rest eines urzeitlichen Sees, dessen Wasser längst verdunstet ist. Die Kruste zeigt ein Muster aus Waben, das bis zum Horizont läuft; Entfernungen verlieren jeden Maßstab, und Menschen wirken auf Fotos wie hingestellte Spielfiguren. Unter der Decke lagert eines der größten Lithiumvorkommen überhaupt, oben blendet das Weiß so stark, dass man die Augen zusammenkneift. Vereinzelt ziehen Fahrzeuge feine Staubfahnen hinter sich her, sonst bewegt sich nichts. Nach Regenfällen legt sich ein Wasserfilm über die Fläche und macht sie zum Spiegel, in dem die Wolken doppelt stehen. Eine Uyuni Reise erreicht hier ihren Höhepunkt.
Augen im SalzAn einigen Stellen drückt Grundwasser durch die Decke und bildet die Ojos de Sal, kreisrunde Löcher, in denen es leise blubbert. Das Wasser ist eiskalt und gesättigt, an den Rändern wachsen Kristalle zu zackigen Kränzen. Ein handfester Beleg dafür, dass unter der festen Fläche eine Lake liegt und der See nie ganz verschwunden ist.
Kakteen auf einer KoralleninselMitten im Weiß erhebt sich Incahuasi, ein Hügel aus versteinerten Korallen, übersät von Riesenkakteen, deren älteste seit Jahrhunderten wachsen und mehrere Meter hoch aufragen. Ein Pfad führt zwischen den Stämmen hinauf, vorbei an Felsen voller fossiler Algenkrusten. Oben liegt die Salzfläche wie ein erstarrtes Meer ringsum, und der Wind in den Stacheln ist das einzige Geräusch.
Steinfiguren und FundstückeNahe dem Nordrand hat ein Sammler in Chantani zusammengetragen, was die Umgebung hergab: Werkzeuge, Keramik, Textilien und Grabbeigaben aus den Höhlen der Vulkanhänge, dazu Mahlsteine und Pfeilspitzen. Ringsum stehen Felsen, die Wind und Sand zu Tieren, Gesichtern und Fabelwesen geformt haben, und jede Figur trägt einen Namen, den ihr die Familie gegeben hat.
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Auf über viertausend Metern liegen die Berglagunen Cañapa, Hedionda, Honda und Chiarcota wie Splitter zwischen den Vulkanen. In ihrem salzigen Wasser filtern drei Flamingoarten Kleinstlebewesen aus dem Schlamm, darunter der seltene Jamesflamingo, der lange als ausgestorben galt. Am Ufer weiden Vikunjas, Andengänse ziehen tief über die Fläche, Möwen kreisen über den Untiefen, und über einer der Lagunen liegt der Geruch von Schwefel. Spätestens hier wird aus der Fahrt eine Natur Reise in reinster Form.
Ein Baum aus SteinDie Siloli-Wüste ist dem Wind schutzlos ausgeliefert, der seit Jahrtausenden Sand gegen vulkanisches Gestein treibt. Zurück bleiben bizarre Formen, die bekannteste davon der Árbol de Piedra: ein schmaler Stiel, darüber eine ausladende Krone aus Fels, die aussieht, als könnte sie jeden Moment kippen. Ringsum liegen weitere Skulpturen der Erosion, dazwischen ockerfarbener Sand und blasse Grasbüschel, in denen sich Viscachas verstecken.
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Vor Sonnenaufgang geht es hinauf zu den Fumarolen von Sol de Mañana. Aus Rissen im Boden schießt Dampf, in Kratern kocht grauer Schlamm mit dumpfem Blubbern, und in der Morgenkälte stehen die Säulen weißen Rauchs meterhoch, bevor der Wind sie zerreißt. Mineralhaltiger Schlamm zeichnet gelbe und ockerfarbene Ringe in den Boden. Es riecht nach Schwefel, der Untergrund ist warm unter den Sohlen, und die Erde zeigt sich hier so unfertig wie sonst selten.
Eine Lagune in BlutrotDie Laguna Colorada verdankt ihre Farbe Algen und Sedimenten, die das flache Wasser je nach Licht rostrot, ziegelfarben oder fast violett erscheinen lassen. Weiße Boraxinseln durchziehen die Fläche wie Eisschollen, Tausende Flamingos brüten am Ufer und staksen durch die Untiefen, der Wind treibt Schaumflocken über den Sand. Der Kontrast aus Rot, Weiß und dem Braun der Berge bleibt als eines der stärksten Bilder dieser Bolivien Reise in Erinnerung.
Landschaft für Salvador DalíVerstreut in einer Sandfläche stehen Felsblöcke, als habe sie jemand mit Bedacht dort abgesetzt: Die Wüste Dalí trägt ihren Namen wegen der Ähnlichkeit mit den Bildwelten des Malers. Nichts wächst, kein Weg ist zu erkennen, im Hintergrund heben sich Vulkankegel gestochen scharf gegen den Himmel ab. Danach führt die Piste zurück nach Uyuni, über Hochebenen, auf denen stundenlang kein Haus zu sehen ist.
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Der Flug geht über La Paz weiter nach Santa Cruz de la Sierra, und mit jeder Flugminute verändert sich alles: Aus Braun und Weiß wird Grün, aus dünner, kalter Luft schwere Wärme. Die Stadt im Tiefland folgt einem anderen Rhythmus als das Hochland, mit Ventilatoren auf den Terrassen, Mangobäumen an den Straßen und einer Sprache, die weicher klingt. Der landschaftliche Teil dieser Natur Reise endet über den Gipfeln der Kordillere. Dieser Wechsel innerhalb eines einzigen Vormittags gehört zu den überraschendsten Erfahrungen der gesamten Route.
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Der Vormittag gehört Santa Cruz. Rund um die Plaza 24 de Septiembre stehen Arkadenhäuser aus der Kolonialzeit, in den Bäumen hängen Faultiere, darunter wird auf Bänken Tereré getrunken und Zeitung gelesen. Die Kathedrale aus rotem Backstein öffnet von ihrem Turm den Blick über flache Dächer und Palmenkronen. In den Markthallen türmen sich tropische Früchte, deren Namen im Hochland kaum jemand kennt. Als Mitbringsel bieten sich Kunsthandwerk aus den Chiquitos-Missionen, Alpakawolle und Schokolade aus wildem Kakao an. Am frühen Abend beginnt der Rückflug.
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Über Madrid geht es zurück nach Frankfurt, wo die Reise am frühen Abend endet. Im Gepäck bleiben Bilder von spiegelnden Salzflächen, von Silberstollen und roten Lagunen, dazu die Erfahrung, wie klar die Luft auf viertausend Metern sein kann. Vom Tal des ewigen Frühlings bis an den Rand der Atacama hat die Route ein Land gezeigt, das sich alle paar Stunden neu erfindet.
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Reisedatum: So, 4. Apr – Sa, 24. Apr 2027
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